Ein Plädoyer gegen „handgeknackt“

Ein Plädoyer gegen „handgeknackt“

Shari Huwer

Maschinen statt Menschen 

Neulich haben wir auf einer Verpackung „von Hand geknackt“ gelesen und dachten sofort: Na, das ist ja ein sehr merkwürdiges Verkaufsargument. Was wir darin lesen, ist eher: „Wir bezahlen unsere Mitarbeitenden so schlecht, dass sie günstiger sind als eine Maschine.“ Na, herzlichen Glückwunsch!

Handwerk ja - aber nicht um jeden Preis

Versteht uns nicht falsch: Ich (Shari) habe meine Abschlussarbeit über die Beziehung von Tradition und Innovation in handwerklichen Betrieben geschrieben und es gibt durchaus Arbeitsschritte, in denen ich Handwerk sehr schätze. Mein Lieblingsbeispiel sind handgeschlungene Brezeln. Ich finde die Vorstellung vom Bäcker mit mehlbestäubter Arbeitsfläche und elegantem Schwung sehr romantisch (und es sieht auch echt cool aus). Außerdem gefällt mir, dass jede Brezel anders aussieht – ein bisschen unperfekt, dafür lebendig.

Bild von Gabriele Lässer auf Pixabay

Handgeknackte Nüsse? Nein, danke.

Aber handgeknackte Nüsse? Schmecken die besser oder sehen sie schöner aus, wenn Menschen, oft in schlechter Haltung, zigtausendmal dieselbe Bewegung machen, um sie zu knacken? We doubt it. 

Monotone Arbeit ist kein Qualitätsmerkmal

Wir gehen nicht davon aus, dass es eine besonders erfüllende Aufgabe ist, den ganzen Tag lang Nüsse zu knacken – in derselben Bewegung, meist in unbequemer Haltung und mit ständigem Zeitdruck. Und klar: Das eigentliche Problem liegt tiefer. Viele Menschen haben schlicht keine Wahl, weil ihnen zum Beispiel Zugang zu Bildung, Weiterqualifikation oder sozialen Sicherungssystemen verwehrt blieb. Dass jemand solche monotone Arbeit machen muss, ist kein Zeichen von handwerklicher Romantik, sondern von gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Maschinenarbeit kann fairer sein

Maschinenarbeit ist hier kein Gegner des Menschen, sondern ein entlastendes Werkzeug. Es gibt so viele Bereiche, in denen Maschinen sinnvoll eingesetzt werden können – nicht um Menschen überflüssig zu machen, sondern um sie von Aufgaben zu befreien, bei der wir uns nicht vorstellen können, dass sie mit Freude oder gegen gute Bezahlung verrichtet wird. 

Effizienz statt Romantik

Der Begriff handgeknackt klingt vielleicht charmant, aber er steht in diesem Fall für ein System, das lieber Menschen ausnutzt, als Technik fair zu nutzen. Wir finden, die Zukunft liegt nicht darin, nostalgische Bilder von Handarbeit zu vermarkten, sondern verantwortungsvoll mit Arbeit, Energie und Menschen umzugehen. Wir finden schon genug romantische Bilder in unseren sonstigen Arbeitsschritten.

Fazit: Unsere Nüsse sind nicht handgeknackt – und das ist gut so

Also ja, unsere Nüsse sind nicht handgeknackt. Und das finden wir richtig gut.
Ohne Romantik, dafür mit Rücksicht auf Menschen, Rücken und Realität.

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