Öl ab Herbst 2026 in Weißblech statt Glas
Shari HuwerVerpackungen - oder: warum wir uns schon wieder das Leben schwer machen
TEIL 2, WEISSBLECH STATT GLAS FÜR UNSER ÖL
Öl ins Glas, schickes Etikett drauf, fertig. Glas sieht hochwertig aus, fühlt sich „nachhaltig“ an und viele von uns haben dabei sofort dieses gute Gefühl: Das wird ja recycelt.
Und genau wie bei Teil 1 gilt leider: Nicht alles ist automatisch nachhaltig, nur weil es sich so anfühlt. Ich muss zugeben, dass ich mir die Ölflaschen eine Weile selbst schöngeredet habe, weil, nun ja... sie so schön sind... Und weil es im Verpackungsdschungel nicht immer sofort ersichtlich ist, was eine wirklich gute Alternative ist.
Nun glauben wir aber, eine gefunden zu haben. Und deshalb stellen wir bei unserem Öl nun von Glas auf Weißblech um.
Das ist keine „wir sparen jetzt irgendwo“-Entscheidung (wobei wir uns auch sicher sind, dass die meisten sich sehr freuen, dass das Öl durch die Umstellung auch deutlich günstiger wird). Im Gegenteil: Es ist eine dieser Entscheidungen, bei denen man erst mal Gegenwind aushalten muss - weil die Verpackung eben nicht nur hübsch sein soll, sondern im echten Leben möglichst gut funktionieren muss.
Übrigens; wir haben natürlich trotzdem wieder alles dafür gegeben, dass die Verpackung auch schön ist! Wir hoffen sehr, dass ihr das auch so seht.
Die Aufgabe einer Verpackung: schützen, nicht dekorieren
Die wichtigste Aufgabe von Verpackungen ist nicht, dass sie im Regal gut aussieht.
Sie soll das Lebensmittel schützen - und beim Öl heißt das vor allem: Licht, Sauerstoff und Temperaturschwankungen so gut wie möglich fernhalten.
Glas kann das bis zu einem gewissen Grad – aber nur unter Bedingungen, die im Alltag und im Versand schnell kippen: Wenn es nicht im Licht steht (zum Beispiel in einem beleuchteten Regal), wenn es nicht bricht, wenn es gut gepolstert ist, wenn es nicht zu viel wiegt, wenn es im Kreislauf wirklich sinnvoll läuft. Und genau da fängt unser „Aber…“ an.
Die Gründe für die Umstellung
Grund 1: Gewicht – weniger Masse, weniger Transportemissionen
Glas ist schwer. Und Gewicht ist beim Versand nicht nur „ein bisschen nervig“, sondern auch ökologisch relevant.
Je schwerer die Verpackung, desto mehr Energie wird beim Transport verbraucht – vom Großhandel zu uns, von uns zu euch, und manchmal auch noch zurück, wenn etwas schiefgeht.
Weißblech ist deutlich leichter als Glas bei vergleichbarer Stabilität. Das heißt:
Weniger Gewicht pro Paket, weniger Gewicht pro Palette, weniger Gewicht pro Lieferung – und damit in der Summe weniger Emissionen.
Zum Vergleich
Unsere 100 ml Glasflasche wog inkl. Inhalt 350 Gramm. Die neue 250 ml Dose wiegt nun mit 150 ml MEHR Inhalt 300 Gramm - also 50 Gramm weniger, obwohl mehr als doppelt so viel drin ist!
Grund 2: Bruch – „kaputt“ ist auch nicht nachhaltig
Glas hat ein Problem, das man im Nachhaltigkeitsdiskurs oft unterschätzt obwohl es so offensichtlich ist: Es kann brechen.
Und wenn eine Flasche Öl bricht, ist nicht nur die Verpackung kaputt. Dann ist auch das Produkt verloren, es gibt Sauerei im Paket, zusätzliche Reinigung, Retouren, Ersatzlieferungen - also: mehr Aufwand, mehr Transport, mehr Müll.
Man kann Glas natürlich „sicher“ machen. Nur passiert das meist so: mit zusätzlicher Umverpackung, Polster, Kartonage.
Weißblech ist hier schlicht pragmatischer: robust, stoßfest, alltagstauglich. Und wenn etwas im echten Leben besser durchhält, ist das oft die nachhaltigere Wahl.
Grund 3: Kreislauf – Glas ist vor allem mit Pfand richtig stark (und das kriegen wir nicht sauber hin)
Glas kann im Kreislauf sehr gut sein - aber vor allem dann, wenn es als Mehrweg mit Pfand läuft und wirklich oft wiederverwendet wird.
Genau dieses „Mehrweg-Glas mit Rücklauf-Logistik“ ist allerdings etwas, das man nicht mal eben nebenbei aufsetzt - ohne massive Zusatzkomplexität, Kosten und am Ende leider oft auch ohne die Rücklaufquote, die es bräuchte.
Recycling-Glas (Einweg) ist zwar besser als sein Ruf, aber es ist eben nicht automatisch der ökologische Jackpot, als den viele es wahrnehmen. Glas muss gesammelt, sortiert, eingeschmolzen werden - und das kostet Energie. Wenn Glas dann noch schwer ist und häufig bricht, verschiebt sich die Bilanz weiter.
Grund 4: Lichtschutz – beim Öl ein echter Qualitätshebel
Öl ist empfindlich. Licht ist nicht nur „nicht ideal“, sondern kann Qualität und Geschmack beeinflussen.
Man kann Öl zwar auch in dunkles Glas füllen, das bietet allerdings keinen vollkommenen Schutz (und ist auch nochmal viel teuerer als Weißglas). Aber es geht eben besser: zuverlässigen Lichtschutz - ohne extra Tricks, ohne „wir hoffen, dass es im Regal nicht zu lange im Licht steht“.
Wenn Nachhaltigkeit auch heißt, dass Produkte möglichst lange gut bleiben und nicht früher kippen, dann ist guter Schutz vielleicht der wichtigste Teil der Rechnung.
Grund 5: Weniger „Zusatzmaßnahmen“ rund um die Verpackung
Bei Glas braucht man im Versand häufig mehr:
mehr Polster, mehr Abstand, mehr „Sicherheitsgefühl“ – und am Ende mehr Material.
Weißblech bringt die Stabilität schon mit. Das reduziert in vielen Fällen den Bedarf an zusätzlichem Schutzmaterial. Und das ist genau die Art von Nebeneffekt, die man selten auf dem Schirm hat, die aber real einen Unterschied macht.
Und was ist mit „Weißblech ist Metall“?
Ja: Weißblech ist Metall, und Metallherstellung ist energieintensiv. Das ist uns bewusst.
Der entscheidende Punkt ist aber wieder derselbe wie in Teil 1: Man muss das Gesamtsystem betrachten: Schutzfunktion, Transport, Bruchquote, Zusatzverpackung, Alltagstauglichkeit und das, was am Ende real im Kreislauf passiert. Und ganz ehrlich, wir glauben, es freuen sich alle, wenn es dann auch noch deutlich günstiger ist.
Wir stellen nicht um, weil Weißblech „perfekt“ ist. Sondern weil es für *unser Öl* in *unserem Setup* aktuell die **ehrlichere, robustere und in Summe sinnvollere** Lösung ist als Glas.
Fazit: Nicht die edelste Lösung - aber die, die im echten Leben besser funktioniert
Wir verstehen total, wenn das erst mal ungewohnt ist. Glas hat einen Imagevorsprung, weil es sich sauber und hochwertig anfühlt.
Aber schaut mal, was wir alles auf der Haben-Seite haben: weniger Gewicht, weniger Bruch, weniger Zusatzmüll, besserer Produktschutz - auch wenn es vielleicht optisch zunächst nicht dem klassischen Bauernhof-Image entspricht.
Wenn ihr Fragen habt oder wir bestimmte Punkte (z. B. Recyclingwege, Entsorgung, oder warum genau unser Öl so empfindlich ist noch detaillierter erklären sollen: einfach fragen.